Feuchte- und Temperaturfühler für Hochfeuchte & Kondensation (AFTF-35 / KFTF-35)

Author: S. Becker

In Kühlhäusern, Obstlagerhallen oder der Lebensmittelverarbeitung stoßen klassische Feuchtesensoren schnell an ihre Grenzen. Sobald warme, feuchte Luft auf kalte Sensorik trifft, entsteht Kondensation – und damit Messfehler oder sogar Sensorausfälle.

Die betauungsgeschützten Feuchte- und Temperaturfühler AFTF-35 (Aufputz) und KFTF-35 (Kanal) sind genau für diese Bedingungen entwickelt worden: stabile Messwerte auch bei extremen Feuchteschwankungen und zeitweiser Betauung.

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Warum Feuchtemessung in Kühlhäusern so anspruchsvoll ist

In der Praxis zeigt sich schnell: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im stabilen Dauerbetrieb eines Kühlhauses, sondern in den Übergangsphasen. Genau in diesen Momenten entstehen die Effekte, die klassische Feuchtesensorik überfordern.

Typisches Szenario aus dem Alltag:

Ein Lagertor wird geöffnet > warme, feuchte Außenluft strömt in den Raum > die vorhandene kalte Luft im Lager kann diese Feuchtigkeit physikalisch nicht aufnehmen

Die Folge:
Die relative Luftfeuchte steigt lokal innerhalb kürzester Zeit auf nahezu 100 % an. Überschreitet die Luft den Taupunkt, beginnt die Feuchtigkeit zu kondensieren und das bevorzugt auf kalten Oberflächen.

Und genau hier kommt der kritische Punkt ins Spiel: Der Sensor selbst ist eine dieser kalten Oberflächen.

Man kann sich das wie bei einer kalten Getränkeflasche im Sommer vorstellen. Die Umgebungsluft „sieht“ die kalte Oberfläche und gibt Feuchtigkeit in Form von Kondensat ab. Für den Sensor bedeutet das aber nicht nur ein physikalisches Phänomen, sondern ein echtes Messproblem.

Auswirkungen auf die Messtechnik

Sobald sich Kondensat auf dem Sensorelement bildet, verändern sich die Randbedingungen der Messung fundamental:

  • Die Sensoroberfläche ist nicht mehr von Luft, sondern von Wasserfilm umgeben
  • Die gemessene relative Feuchte entspricht nicht mehr der realen Raumluft
  • Es kommt zu trägen oder sprunghaften Signalverläufen

In der Gebäudeautomation äußert sich das ganz konkret:

  • Messwerte „kleben“ bei 100 % r.F.
  • Regelkreise reagieren verzögert oder falsch
  • Entfeuchtung oder Lüftung läuft ineffizient

Noch kritischer ist die Langzeitwirkung:

  • wiederholte Betauung belastet das Sensorelement mechanisch und chemisch
  • Ablagerungen und Rückstände aus der Luft bleiben am Sensor haften
  • Drift und vorzeitiger Ausfall sind die Folge

Gerade in Anwendungen wie Obst- und Gemüselagerung, wo stabile Klimabedingungen direkt die Produktqualität beeinflussen, ist das nicht nur ein messtechnisches Problem, sondern ein wirtschaftlicher Faktor.

Warum Standardfühler hier an ihre Grenzen stoßen

Klassische Feuchtefühler sind in der Regel für „normale“ HLK-Anwendungen ausgelegt – also für stabile Bedingungen ohne permanente Feuchtespitzen und ohne Kondensationsereignisse.
Was ihnen fehlt:

  • keine aktive Maßnahme gegen Betauung
  • Sensorelement liegt direkt im Luftstrom
  • keine Trennung zwischen Sensor- und Umgebungstemperatur

Das bedeutet: Sie reagieren korrekt, solange keine Kondensation auftritt. Sobald jedoch reale Betriebsbedingungen mit schnellen Temperatur- und Feuchtewechseln ins Spiel kommen, arbeiten sie außerhalb ihres optimalen Einsatzbereichs.

Aus Sicht eines Produktmanagers lässt sich das klar zusammenfassen:
Nicht die maximale Feuchte ist das Problem – sondern die Dynamik und die Phasenwechsel zwischen Luft und Kondensat.

Genau für diese Situationen braucht es spezialisierte Sensorik, die nicht nur misst, sondern die physikalischen Randbedingungen aktiv berücksichtigt.

Die Lösung: Betauungsgeschützte Sensorik mit aktiver Beheizung

Wenn man sich die beschriebenen Effekte aus der Praxis anschaut, wird schnell klar: Das Problem lässt sich nicht allein durch „bessere Sensoren“ im klassischen Sinne lösen. Entscheidend ist, die physikalischen Randbedingungen aktiv zu beeinflussen – genau hier setzt die betauungsgeschützte Sensorik an.

Die Modelle AFTF-35 und KFTF-35 verfolgen einen bewusst anderen Ansatz als Standardfühler. Statt nur passiv zu messen, wird der Messprozess gezielt stabilisiert.

Das Funktionsprinzip im Detail

Kern des Systems ist eine leichte, kontrollierte Übertemperatur des Sensorelements:

  • der Feuchtesensor wird konstant um ca. +3 K über der Umgebungstemperatur betrieben
  • dadurch liegt seine Oberfläche immer oberhalb des Taupunkts
  • Kondensat kann sich physikalisch kaum noch direkt auf dem Sensor absetzen

Das klingt zunächst simpel, hat aber einen entscheidenden Effekt:
Der Sensor bleibt auch bei kritischen Zuständen in einem definierten, messbaren Zustand – nämlich trocken.

Gleichzeitig würde eine reine Beheizung die Messung verfälschen, da sich die relative Feuchte temperaturabhängig verhält. Genau deshalb ist die zweite Komponente des Systems so wichtig:

  • ein separates, unbeheiztes Temperaturmesselement erfasst die reale Umgebungstemperatur
  • die Elektronik verknüpft beide Informationen (Sensorzustand + Umgebung)
  • daraus wird die tatsächliche relative Feuchte korrekt berechnet

Typische Anwendungen

Gerade im Bereich Lebensmittellagerung und Agrarprozesse zeigen betauungsgeschützte Feuchtesensoren ihren größten Mehrwert. Der Grund ist immer derselbe: Es treffen hohe Luftfeuchte, niedrige Temperaturen und dynamische Betriebszustände aufeinander – also genau die Bedingungen, unter denen klassische Sensorik instabil wird.

  • In Obst- und Gemüselagern ist die Feuchte keine Nebenbedingung, sondern eine zentrale Regelgröße für Qualität und Haltbarkeit. Lesen Sie hier mehr darüber.
  • Auch im Umfeld des Gemüseanbaus – insbesondere bei kontrollierten Bedingungen – ist Feuchte ein entscheidender Faktor. Erfahren Sie mehr.
  • In der Lebensmittelindustrie kommen zusätzliche Einflüsse hinzu, die oft unterschätzt werden. Welche das sind, lesen Sie im nächsten Blobeitrag.
  • Auch in der Pharma- und Logistikbranche finden sich vergleichbare Bedingungen – allerdings mit noch höheren Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit der Messwerte. Mehr dazu.

AFTF-35 vs. KFTF-35 – Welche Bauform eignet sich im Obstlager?

Für Obstlager kommen je nach Anlage sowohl Raumfühler als auch Kanalfühler infrage. Entscheidend ist, wo der Messwert für die Regelung benötigt wird:

AFTF-35 (Aufputzfühler)

  • Wandmontage in Räumen
  • ideal für Lagerhallen, Kühlräume
  • direkte Messung der Raumluft

Typische Anwendungen: Kühlhäuser, Obstlager, Gemüse-Lagerhallen

Der AFTF-35 eignet sich für die direkte Messung der Raumluft im Lagerbereich. Er wird typischerweise an einer Wand oder Montagefläche installiert und liefert Messwerte dort, wo das Lagerklima bewertet oder geregelt werden soll. Wichtig ist eine Position mit repräsentativer Luftströmung – nicht direkt am Tor, nicht unmittelbar am Verdampfer und nicht in toten Luftzonen hinter Stapeln.

KFTF-35 (Kanalfühler)

  • Einbau in Luftkanäle
  • inkl. Montageflansch
  • für Lüftungs- und Klimasysteme

Typische Anwendungen: Zuluft-/Abluftmessung, RLT-Anlagen, zentrale Feuchteregelung in (Lebensmittel-)Verarbeitungsräumen und der Pharmaindustrie

Beide liefern Normsignale und lassen sich problemlos in GLT/DDC integrieren.

Unser KFTF-35 wird in Lüftungs- oder Klimakanälen eingesetzt. Er ist sinnvoll, wenn die Feuchte- und Temperaturmessung in der Zu- oder Abluft erfolgen soll, zum Beispiel bei zentralen Lüftungsgeräten, Umluftsystemen oder Anlagen mit geregelter Luftaufbereitung.

Welche Messgrößen sind wirklich relevant?

Neben der relativen Feuchte liefern die Sensoren auch Kenngrößen wie Taupunkt, absolute Feuchte oder Mischungsverhältnis, die in der Praxis oft deutlich aussagekräftiger sind. Diese Werte werden intern berechnet und direkt als Normsignal ausgegeben . Dadurch lässt sich die Klimaregelung deutlich präziser und stabiler auslegen, insbesondere in sensiblen Lagerprozessen.
Weitere Kenngrößen:

  • Taupunkt → entscheidend für Kondensationsrisiko
  • absolute Feuchte (g/m³) → wichtig für Lagerstrategien
  • Mischungsverhältnis (g/kg) → für Prozessoptimierung
  • Feuchtkugeltemperatur → für energetische Betrachtungen

Diese Werte werden intern berechnet und über zusätzliche Ausgänge bereitgestellt.

Praxisnutzen:

  • bessere Regelstrategien statt reiner RH-Betrachtung
  • stabilere Lagerbedingungen
  • weniger Verderb und Qualitätsverlust

Wichtige Einflussfaktoren bei Auswahl und Montage

Die Messqualität hängt stark von der Einbausituation ab:

Positionierung
- nicht direkt im Luftstrom von Toren
- keine unmittelbare Nähe zu Kältequellen

Dynamik berücksichtigen
häufige Türöffnungen = hohe Feuchtesprünge
→ beheizter Sensor zwingend sinnvoll

Wartung
- Sinterfilter regelmäßig prüfen
- Verschmutzung beeinflusst Messverhalten

Signalintegration
- 0–10 V oder 4–20 mA für GLT
- mehrere Ausgänge parallel nutzbar

Jetzt passende Feuchtesensoren für Hochfeuchte auswählen

Wenn Ihre Anwendung durch Temperaturschwankungen, hohe Luftfeuchte oder Kondensationsrisiken geprägt ist, stoßen klassische Feuchtesensoren schnell an ihre Grenzen – insbesondere dann, wenn Messwerte dauerhaft stabil und regelungstauglich sein müssen. Genau hier setzen der AFTF-35 und KFTF-35 an: Sie liefern auch unter realen, dynamischen Bedingungen verlässliche Signale und sorgen dafür, dass Ihre GLT bzw. Regelung nicht „im Blindflug“ arbeitet.

Für Sie bedeutet das konkret:

  • stabile Messwerte auch bei Feuchtespitzen und Betauung
  • deutlich geringere Ausfall- und Wartungsraten im laufenden Betrieb
  • präzisere Regelung von Kühlung, Lüftung und Entfeuchtung

Je nach Einbausituation wählen Sie die passende Variante:
Aufputzfühler (AFTF-35) für Aufputz-/ Raumanwendungen oder Kanalfühler (KFTF-35) für den Einbau in Lüftungssysteme.

So stellen Sie sicher, dass Ihre Feuchtemessung auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig funktioniert – und Ihre Anlage langfristig stabil und wirtschaftlich betrieben werden kann.

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